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Blutanalyse zum Abnehmen: Wie sinnvoll ist die Methode?

Wer abnehmen möchte, findet Angebote, die aus einer Blutprobe einen persönlichen Ernährungsplan ableiten. Blutwerte können Hinweise auf Krankheiten und Gesundheitsrisiken geben. Dass sie zuverlässig zeigen, welche Lebensmittel einer Person beim Abnehmen helfen, ist jedoch nicht belegt.

Ein ärztlicher Bluttest klärt eine konkrete medizinische Frage. Kommerzielle Stoffwechselprofile sollen oft Lebensmittel empfehlen oder ausschließen. Die Wirksamkeit dieser Empfehlungen muss separat belegt sein.

Was Anbieter versprechen

Manche Anbieter werten ausgewählte Laborwerte zusammen mit persönlichen Angaben aus und ordnen Lebensmittel etwa in Ampelkategorien ein. Andere behaupten, Bluttests könnten verborgene Unverträglichkeiten aufdecken, deren Behandlung beim Abnehmen helfe. Ein standardisiertes Verfahren mit dem Namen „Blutanalyse zum Abnehmen“ gibt es nicht.

Ein Anbieter sagt selbst, dass sein Verfahren nicht wissenschaftlich als Diagnoseverfahren geprüft wurde. Fragen Sie deshalb genau nach, was gemessen wird und wie daraus Empfehlungen entstehen. Ein Test kann korrekte Laborwerte liefern, ohne dass die daraus abgeleitete Lebensmittelliste nachweislich beim Abnehmen hilft.

Wann Blutwerte medizinisch helfen

Ärztinnen und Ärzte setzen Bluttests ein, wenn sie eine konkrete Erkrankung oder ein Gesundheitsrisiko abklären wollen. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion empfiehlt die deutsche S3-Leitlinie zur Adipositas beispielsweise zunächst die Bestimmung des TSH-Werts. Ist der Wert auffällig, können weitere Untersuchungen nötig sein.

Blutzucker- und Cholesterinwerte helfen, gesundheitliche Risiken einzuschätzen, zeigen aber nicht, welche Diät zu einer Person passt. Ärztinnen und Ärzte untersuchen besondere Hormonstörungen wie einen erhöhten Kortisolspiegel nur bei konkreten Hinweisen. Ein pauschales Hormonscreening für alle, die abnehmen möchten, sieht die Leitlinie nicht vor.

Eine leichte Schilddrüsenunterfunktion erklärt eine Gewichtszunahme zudem nicht automatisch. Laut Leitlinie gibt es bei Übergewicht und einem TSH-Wert unter 10 mU/l keine Evidenz dafür, dass eine Behandlung mit L-Thyroxin eine Gewichtsabnahme bewirkt. Eine Ärztin oder ein Arzt sollte den Wert zusammen mit den Beschwerden und anderen Messwerten beurteilen.

Was Studien zur Diätwahl zeigen

Die deutsche S3-Leitlinie bewertet die Datenlage zu personalisierten Abnehmplänen kritisch. Sie findet keine belastbaren Belege dafür, dass Laborwerte, genetische Bewertungen oder das Darmmikrobiom eine Ernährungstherapie wirksamer machen. Sie empfiehlt derzeit nicht, solche Daten bei der Behandlung von Adipositas zu nutzen.

Die US-amerikanische DIETFITS-Studie untersuchte 609 Erwachsene ohne Diabetes. Über zwölf Monate erhielten sie entweder eine gesunde fettarme oder eine gesunde kohlenhydratarme Ernährung. Die durchschnittliche Gewichtsabnahme lag bei 5,3 beziehungsweise 6,0 Kilogramm. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant: Die Daten belegten keinen klaren Unterschied. Auch genetische Merkmale und die Insulinsekretion zu Beginn sagten nicht voraus, welche der beiden Ernährungsformen für die einzelne Person besser funktionierte. Das Ergebnis gilt für diese Gruppen und Ernährungsformen, nicht automatisch für jedes Testverfahren.

Die europäische Food4Me-Studie liefert ein differenzierteres Bild. Personalisierte Ernährungshinweise verbesserten bei den Teilnehmenden einige Ernährungsgewohnheiten. Zusätzliche Blutwerte und Angaben zu körperlichen Merkmalen verbesserten die Ergebnisse nicht erkennbar. Die Studie zeigt damit, dass individuelle Beratung das Essverhalten unterstützen kann. Sie belegt keinen zusätzlichen Abnehmerfolg durch eine Blutprobe.

IgG-Tests sind kein Unverträglichkeitsnachweis

IgG-Antikörper zeigen vor allem, dass der Körper Kontakt mit einem Lebensmittel hatte. Sie weisen nicht zuverlässig nach, dass dieses Lebensmittel Beschwerden auslöst. Fachstellen für Allergien und die Verbraucherzentrale raten deshalb davon ab, solche Tests zur Diagnose von Lebensmittelallergien oder -unverträglichkeiten einzusetzen.

Wer aufgrund eines IgG-Ergebnisses Lebensmittel streicht, schränkt den Speiseplan möglicherweise unnötig ein. Das kann eine ausgewogene Ernährung erschweren. Bei Beschwerden nach bestimmten Lebensmitteln sollte eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache abklären. Eine medizinische Allergiediagnostik berücksichtigt die Symptome und Krankengeschichte; ein einzelner Laborwert ersetzt diese Einordnung nicht.

So prüfen Sie ein Testangebot

Fragen Sie vor dem Kauf, welche medizinische Frage der Test beantwortet und welche unabhängige Studie genau diese Methode untersucht hat. Für eine Abnehmempfehlung sollte die Studie nicht nur Laborwerte oder Ernährungsgewohnheiten erfassen, sondern auch prüfen, ob die Teilnehmenden damit über längere Zeit mehr Gewicht verlieren als mit einer geeigneten Vergleichsberatung.

Achten Sie außerdem darauf, ob der Anbieter Messwerte klar von seinen Schlussfolgerungen trennt. Fragen Sie nach Kosten für Beratung, Wiederholungsmessungen und zusätzliche Produkte. Streichen Sie keine Lebensmittel allein aufgrund eines IgG-Ergebnisses und ersetzen Sie einen Arzttermin bei Beschwerden oder einem Krankheitsverdacht nicht durch einen Selbsttest.